Fair streiten will gelernt sein

VR-Westmünsterland Bildungsinitiative
Sozialarbeiter bringen Kreuzschüler Konzept näher

Coesfeld. Zum dritten Mal fand Ende Oktober das Projekt „Faires Streiten Lernen“ in der Kreuzschule Coesfeld für die Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 5 statt. Dieses Konzept des sozialen Lernens wurde 2018 vom Mediationsverband „DACH e.V.“ (Hamburg) mit dem Innovationspreis „Jugend WinWinno 2018“ ausgezeichnet. Entworfen hat das Konzept Diplompsychologin Siglind Willms vom Haus Kloppenburg (Münster) vor über 25 Jahren.

Das Projekt vermittelt den Kindern in drei Projekttagen grundlegende soziale Fähigkeiten, die sie benötigen, um fair miteinander umgehen zu können: Ich-Botschaften, Wertschätzung und Selbstwertschätzung, Spiegeln, Fordern und Verweigern oder auch das Kritische Feedback. „Für die Kinder ist es eine wichtige und neue Erfahrung, dass Streiten und Fairness kein Widerspruch, sondern eine praktikable Konflikthaltung sind. Konflikte mit Sprache so zu klären, dass jeder zu seinem Recht kommt und am Ende eine Vereinbarung steht, die beide Parteien annehmen können, ist eine Kunst, die zu erlernen es sich lohnt“, läuterte Schulsozialarbeiter Matthias Geisler das Ziel der Projekttage im Jahrgang 5 der Kreuzschule. Am Ende des Projekts weiß jedes Kind, was zu tun ist, wenn ein Streit fair mit Worten geregelt werden soll: hierfür haben die Mitarbeiter/innen aus dem Haus Kloppenburg (Zentrum für psychologische und soziale Arbeit, Münster) einen einfach strukturierten Ablauf mitgebracht, der dabei hilft bei Streit eine Lösung zu finden, die von beiden Streitenden akzeptiert werden kann. Aber der Weg bis dahin am Ende des Projekts ist anstrengend: durch Gruppenübungen leiten die Münsteraner Referenten die Schüler/innen dazu an, ihre sozialen Kompetenzen zu erweitern. „Da sind die Lernerfolge der Jungen und Mädchen sehr unterschiedlich. Die Ruhigen und Zurückhaltenden lernen, sich mehr zuzutrauen, deutlicher ihre Grenzen wahrzunehmen und ihre Meinung stärker zu vertreten, wenn sie zum Beispiel in der Übung „Das ist mein Stuhl“ das Fordern und Verweigern üben. Die Forschen und Vorlauten üben z.B. mit der Übung „Kritisches Feedback“, besser zu zuhören, Grenzen anderer wahrzunehmen und mehr Rücksicht zu nehmen“, erläutert Lina Nagel, die Leiterin des diesjährigen Trainings.

Von der wertvollen Arbeit in der Kreuzschule konnte sich auch Thomas Borgert von der VR-Westmünsterland Bildungsinitiative ein Bild machen. Schulsozialarbeiter Matthias Geisler erklärte ihm den einfach strukturierten Ablauf des „Fair Streitens“ und wie die Jungen und Mädchen durch die Übungen und Spiele in kleinen Schritten die Fähigkeiten erlernen, die sie für die Anwendung des Konzepts im Schulalltag benötigen. Die Schüler indes formulierten ihre Erkenntnisse in den Mitteilungsrunden am Ende des Tages so:

 „Ich habe gelernt, besser zuzuhören.“

„Ich habe gelernt, was fair und unfair ist beim Fordern.“

„Mir ist aufgefallen, dass wir beim Bildmalen jedem seinen Raum gelassen haben. Wir waren vorsichtig. Das ist in der Schule nicht immer so.“

„Ich fand gut, dass ich in die Mitte gegangen bin und den Stuhl verteidigt habe.“

„Mir ist aufgefallen, dass die Lehrer darauf geachtet haben, dass jeder drankommt.“

„Wenn andere mich wertschätzen, fühle ich mich stärker und traue mich mehr. Die „warme Dusche“ sollten wir häufiger machen.“

„Auch bei den Spielen mussten wir aufmerksam und konzentriert sein, sonst kommt man nicht zum Ziel.“

„Die Spiele haben mir geholfen, wieder besser aufpassen zu können.“

„Ich habe gelernt, dass ich Ärger auch durch „Fair Streiten“ regeln kann und dass die anderen aus der Klasse mir dabei helfen können.“

„Es ist besser, sich bei Streit gemeinsam zu einigen statt sich unfair zu verhalten, aber das ist manchmal ganz schön schwer. Gut, dass die anderen in der Klasse mir helfen können.“

All diese kleinen Lernerfolge tragen dazu bei, im Schulalltag den fairen Umgang miteinander weiter einzuüben: statt zu beleidigen und zu drohen lieber mit Worten um eine Lösung kämpfen und sich dafür die konstruktive Hilfe der Mitschüler holen, die dann auch mit darauf achten, dass geschlossene und im Friedensbuch eingetragene Vereinbarungen eingehalten werden.

Weil die Klassenlehrerinnen ihre Klasse während des gesamten Projekts begleiten, können sie in der wöchentlichen Unterrichtsstunde „Soziales Lernen“ die Übungen und das „Faire Streiten“ immer wieder aufgreifen und so die sozialen Fähigkeiten der Schüler/innen weiterentwickeln. „Dank der Unterstützung durch die Bürgerstiftung Coesfeld konnten wir vor den Herbstferien auch eine Lehrerweiterbildung mit Psychologin Siglind Willms (Haus Kloppenburg), der geistigen Urheberin des Konzepts „Faires Streiten“, finanzieren. Da hatten wir Pädagogen viel Möglichkeiten, dass zu üben, was unsere Schützlinge in den Klassen lernen sollen“, resümierte Sozialarbeiter Matthias Geisler.  Und diese Selbsterfahrung von Grenzüberschreitung, (Selbst-)Wertschätzung, kritischem Feedback und Verhandeln erleichtert es, einzelne Übungen und das „Faire Streiten“ im Schulalltag weiter anzuwenden. „Uns als Bildungsinitiative ist es wichtig, dass wir Projekte unterstützen, die nachhaltig und übertragbar sind. Das sehe ich hier als gut gegeben an“, resümierte Thomas Borgert bei seiner Visite das Engagement der VR-Bank für das Projekt.

„Diese pädagogische Arbeit abseits des Lehrplans ist nur möglich, weil die VR-Westmünsterland Bildungsinitiative uns bei diesem Projekt so zuverlässig unterstützt. Wir hoffen, dass wir auch in Zukunft auf diese Förderung bauen können“, lobte Pia Koch, Konrektorin der Kreuzschule, abschließend den finanziellen Einsatz der VR-Bank und der Bürgerstiftung Coesfeld.

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