„Ein großartiges Experiment“ - Sekundarschüler haben Stratosphären-Ballon aufsteigen lassen

Rosendahl-Osterwick.

Zahlreiche Schüler haben sich auf dem Schulhof vor der Sekundarschule Legden Rosendahl versammelt, um das Spektakel zu verfolgen. Dort findet ein Unterricht der besonderen Art statt. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Naturwissenschaften lässt die Mitschüler an einem großartigen Experiment teilhaben. Sie lassen einen Stratosphären-Ballon aufsteigen.

Doch zuvor sind noch einige Vorbereitungen zu treffen. Eilig, hoch konzentriert und professionell baut das Strato-Team den Styropor-Behälter mit der Sonde im Inneren – sowie mit zwei Kameras und einem Handy bestückt – zusammen. Der Kasten hängt unten am Ballon. Es gilt, den vorgegeben Zeitrahmen einzuhalten. Denn für das Aufsteigen des Ballons ist wegen der Sicherung des Luftverkehrs nur ein bestimmtes Zeitfenster erlaubt. Dann sieht die Schülerzahl, die hinter dem Absperrband verharrt, wie der beige-braune Ballon mit 4000 Litern Helium befüllt wird. AG-Teilnehmer Daniel Pasker ist der letzte, der den Styropor-Kasten mit der Sonde in Händen hält, bevor der Ballon um 10.55 Uhr aufsteigt. Juliette Liedtke hält alles mit der Filmkamera fest.

Doch dann passiert plötzlich ein Malheur. Der Behälter, in dem die Wetterdaten gespeichert werden sollen, und die roten Verbindungsbänder zum Ballon verfangen sich in einem Baum vor der Schule. Die Schülerschar schreit auf. In Windeseile klettert Lehrer Hannes Fälker auf den Baum und befreit den Ballon wieder, so dass dieser in den Himmel aufsteigen kann. Applaus brandet auf. Zwar ist ein kleiner Fügel vom Styroporkasten abgefallen, aber die erste Hürde ist genommen. In Sekundenschnelle ist der Ballon aus dem Blickfeld der Schüler verschwunden. Chemie-Lehrer Tobias Steens rechnet damit, dass er in etwa eineinhalb bis zwei Stunden in Salzkotten wieder auf dem Erdboden auftrifft. „Durch den sinkenden Luftdruck weitet sich der Ballon bis zu einem Durchmesser von zwölf Metern aus und zerplatzt dann“, erläutert er. Per GPS-Sender gelingt die Ortung. Das Strato-Team hofft, mit dem Ballon Wetterdaten und Bilder aus einer Höhe von bis zu 35 Kilometern Metern aufnehmen und auswerten zu können.

„Vielleicht können wir damit auch die 39 Kilometer Höhe erreichen, aus der Felix Baumgartner seinen Rekordfallschirmsprung gewagt hat“, hofft Mathematik- und Physik-Lehrer Martin Peplinski. Ein Mobiltelefon ermöglicht eine Live-Übertragung der ersten Kilometer des Aufstiegs. Im Rahmen des Starts führt die Klasse 8c nach dem Ballonstart einen Ballon-Weitflug-Wettbewerb für die benachbarte Grundschule durch. Die Kosten für das Strato-Projekt haben die Bildungsinitiative der VR-Bank Westmünsterland und der Förderverein der Schule übernommen.

Zum Strato-Team gehören neben den drei Fachlehrern Hannes Fälker, Martin Peplinski und Tobais Steens die Schüler Juliette Liedtke, Daniel Pasker, Niklas Brinkmann, Tobias Feldhaus, Michelle Strobach, Melina Gillmann, Laurenz Galle, Maria Redel, Ann-Kathrin Venker, Hanna Watermann, Maike Alfert-Steinberg sowie Desirée Mehlich. Schüler Tobias Feldhaus atmet nach dem Start des Ballons auf: „Endlich ist es geschafft. Ich habe in der letzten Nacht nämlich vor lauter Aufregung ziemlich unruhig geschlafen.“ Auch Niklas Brinkmann zeigt sich erleichtert: „Die Anspannung hat sich jetzt zum Glück etwas gelegt.“

Schulleiter Axel Barkowsky zeigt sich begeistert vom Experiment und von der Unterstützung durch die Bildungsinitiative der VR-Bank-Westmünsterland: „Davon lebt Schule. Für uns als Schule wären die Kosten für ein solches Projekt nicht zu stemmen.“ Thomas Borgert (VR-Bank Westmünsterland) betont: „Wir unterstützen solche Projekte gerne. Das ist ein großartiges Experiment.“ So mache der naturwissenschaftliche Schulunterricht Spaß. Und das zwölfköpfige Strato-Team unter Leitung der drei Fachlehrer nickt.

Gefunden haben die Schüler und Lehrer das High-Tech-Gerät dank GPS südlich von Paderborn mitten im dichten Wald. Die Sonde pendelte in etwa 12 Meter Höhe, der Ballon hatte sich in der Krone eines etwa 30 Meter hohen Baumes verfangen – somit gestaltete sich die Bergung entsprechend schwierig. Zwei zufällig anwesende Waldarbeiter konnten dem Team aber weiterhelfen: eine eigens gefällte Esche war lang genug, um die Sonde herunterzuziehen. Nun sind alle gespannt auf die Auswertung der Daten wie Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Außen- und Innentemperatur (im Ballon) und natürlich auf die Bilder der Kameras. „Wenn wir Glück haben, ist darauf die Krümmung der Erde sichtbar“, erläutert Lehrer Martin Peplinksi.
(Quelle: AZ, Coesfeld)

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Gemeinsam mit den Schülern schauten sich (v.l.) Thorsten Dinkler und Thomas Borgert (beide VR-Bank)
sowie die Lehrer Tobias Steens und Hannes Fälker den Ballon an, der kurze Zeit später in den Himmel aufstieg.
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